Claudia
Claudias Weg
»So um 18 Uhr war ich doch das blühende Leben. Wie sollte ich da schlafen?«
»Ich bin auf die Idee gekommen, ich könnte ja vielleicht Bäckerin werden. Und hab das dann auch angefangen ... Was für eine Fehlentscheidung!«

© Ronald Bluhm
Morgenstund hat ...
auch mal dies oder das
»In einer Bäckerei arbeiten ist es wirklich herausfordernd, wenn da noch alles selbst hergestellt werden soll. Und für mich war das ohne Drogen alsbald nicht mehr machbar.»
»Man muss ja früh raus. Also hab ich abends Schlafmittel genommen. Und morgens dann Aufputschmittel ... und bin auch so zur Arbeit. Bald war ich konzentrationsmäßig zu nicht mehr allzuviel in der Lage.«
»Dann habe ich in so 'nem Backwarenbüdchen im Bahnhof angefangen. Da stand man dann drin, hatte keinerlei Pause und konnte nicht mal zur Toilette. Die Schicht ging von zwölf bis um zwei, auch die Kollegen sind alle fast umgekippt. Ich hatte so 380 Stunden im Monat, hab dann Essstörungen entwickelt und erstmals Suizidgedanken gehabt… ich dachte nur, auf dem Arbeitsmarkt halte ich es auf keinen Fall durch.«
Trotz Unterstützung ...
bleibt's weiterhin schwierig
»Ich bin irgendwann ins Betreute Wohnen gekommen, habe dann meinen Mann kennengelernt ... und bei den VIA Perspektiven konnten wir endlich zusammenwohnen. So kam ich dann auch zu Blumenfisch.«
»Ich war erstmal in der Hauswirtschaft ... und finde, dass diese Abteilung oft undankbar behandelt wird. Was eigentlich schade ist, da die Putzerei eine Sauarbeit ist.* Und dann wurde ich schwanger.«
»Ich hatte weiterhin eine schwierige Zeit, mit meinen Drogen und allem möglichen Kram – obwohl ich mit meinem Mann zusammen war ... und auch als meine Tochter zur Welt kam. Ich war dann nochmal stationär.«
»Ich habe inzwischen kapiert, dass mein Mann immer hinter mir steht … und auch meine Mutter. Zudem waren all die die Gespräche mit meinen Fachkräften ein sehr großer Halt. Wie oft habe ich da gesessen, hab einfach nur geweint, weil ich nicht weiter wusste.«
*Stimmt! (Anm. d. Red.)

© Ronald Bluhm

© Ronald Bluhm
Fürs richtig laufen ...
braucht's den richtigen Laden
»Ich hab dann in der Schneiderei angefangen, mich dort auch wohl gefühlt und eigentlich wäre ich gern an der Nähmaschine geblieben. Doch ›Lipödem‹ hieß dann die Diagnose ... so dass ich nicht so viel sitzen sondern lieber mehr rumlaufen soll, weil sonst meine Beine dick werden.«
»Bei einem Betriebsausflug haben wir den ›Textilhafen‹ kennengelernt. Dahinter steckt die ›Komm & Sieh‹ gGmbH die so Upcycling machen und mehrere Secondhandläden als Inklusionsfirmen haben. Bei denen gibt's Angebote für eigentlich alle, für Flüchtlinge, Obdachlose, Häftlinge, Drogensüchtige .... eben für alle, die irgendwie Hilfe brauchen.«
»Das Team hier fand ich von Anfang an sympathisch und der Laden, der ist einfach Bombe! Zunächst hab ich ein Praktikum gemacht, das dann verlängert ... und verlängert wurde ... und nun bin ich endlich mit dem ›Budget für Arbeit‹ fest hier im ›Kiezladen‹. Also, und ich muss einfach sagen: Ich bin schon sehr zufrieden jetzt.«
Blick zurück auf Blumenfisch: »Viele geben ja an, dass das Arbeiten mit weniger Druck und die Tagesstruktur so unheimlich wichtig wären – was ja auch stimmt ... aber dadurch wird die Arbeitsleistung immer gleich klein geredet. Soll doch mal einer, der nicht laufen kann, versuchen jeden Tag zu laufen. Denn so funktioniert's doch! Und das ist ganz schön anstrengend. Und das verdient mehr Respekt.«



