Guido
Guidos Weg
»Als Diplomat bei der UNO ... das war mein Traum!«
»Ich habe Jura studiert, um in den auswärtigen Dienst gehen zu können, wollte Diplomat werden, mit Schwerpunkt auf Völkerrecht. Doch trotz Abschluss und anschließendem Master, den ich in Amerika machte, hat das dann alles nicht so geklappt.«

© Ronald Bluhm
Aller Anfang ist schwer ...
und wird zunehmend schwerer
»Nach einem Referendariat im Kammergericht gab's eine längere Phase, wo ich arbeitssuchend war, bis ich den ersten Job in einer Kanzlei hatte. Auch hatte ich mal das Vergnügen für einen Bundestagsabgeordneten der SPD arbeiten zu können, doch war die Stelle leider befristet.«
»Ich musste irgendeinen Job finden, ich suchte eine Laufbahn. Und da ich lieber gestern als heute eine Arbeit gehabt hätte, sagte man mir im Jobcenter schließlich: Callcenter.«
»Tatsächlich habe ich dann ungefähr anderthalb Jahre in so 'nem Callcenter gearbeitet. Und bin kläglich gescheitert. Ich bin nicht der Typ, der am Telefon die Leute betrügt. Und erlebte einen Zusammenbruch. Heftige Depressionen, Burnout ... nur knapp bin ich an einer Psychose vorbeigeschlittert. Ich konnte dann überhaupt nicht mehr arbeiten.«
Nach der großen Krise ...
erstmal kleinere Schritte
»Ich habe dann meinen Partner kennengelernt, der zu mir sagte: ›Guido, du bist so ein Paradefall für die Werkstatt. Du musst dich erst einmal erholen, musst wieder eine Tagesstruktur bekommen.‹ Und für mich war da vor allem die Frage: Wie komme ich aus diesem Loch wieder raus? Wie schaffe ich es, wieder arbeitsfähig zu werden?«
»Ich habe dann bei Blumenfisch in den Digitalen Medien begonnen, wollte sicherer werden, in Sachen Word, Excel und PowerPoint.«
»Nach einiger Zeit bot man mir einen ›Ausgelagerten Arbeitsplatz‹ beim Deutschen Anwaltverein an. Zunächst als Hausmeister, dann in der Telefonzentrale. Und eine Weile hat das auch super funktioniert. Doch nach Umstrukturierungen bekam ich sehr viele Zusatzaufgaben, auch Aufgaben, die ich gar nicht bewältigen konnte … was alles zu unschönen Situationen führte ... und zu einem weiteren Zusammenbruch.«

© Ronald Bluhm

© Ronald Bluhm
Von Blumenfisch ... über VIA ...
ins Bezirksamt Charlottenburg
»Ich hatte Glück. Nach gut zwei Jahren, die ich dann in der Verwaltung bei Blumenfisch gearbeitet habe, wollte ich unbedingt eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten machen... und konnte der allererste Auszubildende in diesem Bereich bei VIA sein.«
»Gradlinig verlief die Ausbildung nicht, wie auch mein anschließender Weg, der mich schließlich ins Bezirksamt Charlottenburg geführt hat. Es gab weiterhin mal Probleme, auch mal Beziehungskrisen, die mich erneut destabilisiert haben. Aber inzwischen brauche ich die Begleitung von Blumenfisch nicht mehr.«
»Jetzt hält mich stabil, dass ich einen Job habe, der mir viel Spaß macht. Ich gehe jeden Tag motiviert ins Büro, schaffe mein Pensum und habe hilfreiche, tolle Kollegen. Eine Anstellung im öffentlichen Dienst zu haben, gibt mir dabei zusätzlich Sicherheit. Ich bin stabil.«
Blick zurück auf Blumenfisch: »Wenn man gesundheitlich angeknackst ist, dann hilft eine Tagesstruktur. Und dass der Druck nicht so hoch ist. Ich habe mich geschützt gefühlt. Auch weil die Aufgaben für mich alle machbar waren. Und wenn mal nicht ... ja, meine Güte ... dann hat man eben Hilfe bekommen. Für mich war dies die Chance wieder zu arbeiten und mich weiterentwickeln zu können.«



